Das Bildungsverständnis

„Für die Qualität der Bildung ist die Qualität der Beziehung von großer Bedeutung.“

In einer Kindertagesstätte steht in diesem Sinne die Beziehung zwischen Kindern und Erzieher im Mittelpunkt. Diese Beziehung ist geprägt von dem Wissen über die Bedeutsamkeit des Annehmens der unterschiedlichen Gefühle von Kindern und einem „gleichwürdigen“, persönlichen Dialog, der die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder ernst nimmt. Die Forderung nach gleicher Würde bedeutet demnach auch Offenheit und Respekt für Verschiedenheit. „Gleichwürdigkeit nimmt Unterschiede ernst, und strebt nicht danach, sie auszugleichen, so Jesper Juul.

In diesem Sinne ist Bildung eine lustvolle, aktive Aneignungstätigkeit, mit der sich das Kind ein Bild von der Welt macht. Die Erzieher sorgen für eine anregende und an Materialien vielfältige Umgebung, so dass Lernen hauptsächlich durch Nachahmen, Spielen, Experimentieren, das Nachgehen von Bedürfnissen und die Umsetzung von Gedanken in Handlung und Sprache geschieht. Jedes Kind benötigt ein spürbares Interesse an seiner Tätigkeit, seinen Empfindungen und seinen Erkenntnissen. Es geht darum, gemeinsam mit den Kindern fragend zu forschen.

Wir gehen davon aus, dass jedes Kind mit dem starken Bedürfnis, sich durch aktives Tun seine Umwelt anzueignen, geboren wird. In unserer Kindestagesstätte bietet sich den Kindern die Möglichkeit, ganzheitlich zu lernen. Bildung wird daher weniger als Vermittlung von konkretem Wissen betrachtet, sondern als eine konsequente Hinwendung zum aktiven, konstruierenden Kind. Dabei steht der Prozess im Vordergrund, nicht das Ergebnis. Die Erzieher stellen sich als Person mit ihren Interessen sowie Fähigkeiten dar, und bieten damit überschaubare Herausforderungen an. Die dabei aufkommenden Fragen werden so erleb-, gestalt- und erforschbar. Zwischen dem Angebot des Erwachsenen und dem tatsächlichen Handeln des Kindes steht jedoch immer die innere Entscheidung des Kindes, das Angebot anzunehmen und eine Auswahl zu treffen oder es abzulehnen.

Die pädagogische Ausrichtung orientiert sich an der Erkenntnis, dass die kindliche Entwicklung von Anfang an als Bildungsprozess zu verstehen ist. Dabei verfolgt wird ein ganzheitlicher Bildungsansatz: Das Erkennen des eigenen Ichs sowie die Unterstützung eines positiven Selbstwertgefühls ermöglichen Verantwortungsübernahme und Kooperationsfähigkeit innerhalb einer Gruppe. Im Umgang mit erwachsenen Bezugspersonen und, ganz wichtig, Gleichaltrigen werden Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Kompromissbereitschaft gefördert. Ein weiterer Kern der Arbeit ist die lernmethodische Kompetenz unter Berücksichtigung von Problemlösungsfähigkeit wie auch dem Umgang mit Misserfolgen.

Mit Angeboten aus den Bereichen Sprach-, Wahrnehmungs-, Bewegungs- und musikalischer Förderung wird genau dieser Ansatz verfolgt. Kinder wachsen daran, wenn sie viele Gelegenheiten bekommen und ermutigt werden, alles zu erkunden und kreativ damit umzugehen. Sie suchen die Interaktion mit anderen und lernen durch Nachahmung, vor allem aber durch selbständiges Handeln. Der pädagogische Bildungsansatz wird abgerundet durch das fürsorgliche Miteinander, Geborgenheit und Aufmerksamkeit, also einer Umgebung, in der es Kindern leicht fällt, die Erziehenden als neue Bezugspersonen zu akzeptieren und sich kontinuierlich zu entfalten. Das Kind erfährt Wertschätzung beim Austausch und der Interaktion mit seiner sozialen Umwelt. Denn nur in einer Atmosphäre aus Wärme und Toleranz ist die bestmögliche Entfaltung des Kindes möglich.